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Die Ev.-luth. Bethlehemkirche in Hannover-Linden

Zur Restaurierung der neuromanischen Bronzetüren des Westportals

Förderzeitraum: 2016


Ansicht der Bethlehemkirche von Nordwesten

Westportal der Bethlehemkirche

Bronzetüren des Westportals

Bereits in den Jahren 2011 und 2012 konnte der Altar der Bethlehemkirche in Hannover-Linden mit Mitteln der Wenger-Stiftung für Denkmalpflege restauriert werden. Als ein neues Förderprojekt steht 2016 die Instandsetzung der Bronzetüren des dortigen Westportals an.
Auch sie sind Teil dieses national bedeutenden Kulturdenkmals, das der bedeutende Architekt Karl Mohrmann aus Hannover von 1904 bis 1906 geschaffen hat.


Seitliche Galerie mit vier Propheten

Seitliche Galerie mit den vier Evangelisten

Fensterrose über der Ädikula des Portals

Säulentragender Löwe

Tympanon über dem Portal

Mittlere Türflügel des Portals

Rechte Tür des Portals

Säulen rechts des Portals

Strenge Gliederung

Im Westbau der Bethlehemkirche, den Mohrmann nach den Vorbildern der Dome in Hildesheim und Minden entworfen hat, öffnet sich die aufwändig gestaltete Portalanlage.
Mit ihren seitlichen Galerien, unter deren Rundbogen vier Propheten und die vier Evangelisten angeordnet sind, der großen, mit Maßwerk gefüllten Fensterrose über der Ädikula des Portals, den säulentragenden Löwen und den Bronzetüren weist sie Ähnlichkeiten mit romanischen Kirchen in Italien auf, insbesondere San Zeno in Verona. Im Tympanon ist in einem farbigen Glasmosaik die „Anbetung der Könige“ dargestellt.
Das Portal hat drei Türöffnungen, einen zweiflügeligen Mittelteil und seitlich je eine einflügelige Tür, die durch zwei steinerne Pfosten mit Schachbrett-Polsterkapitellen voneinander getrennt sind. Die 2,70 m hohen Bronzetüren wurden von der Gelbgießerei Otto Hägemann in Hannover nach einem Entwurf von Karl Mohrmann gefertigt. Musterflächen von 1906/07 zeigen die wesentlichen Einzelteile (Metallplatten, ornamentale Randleisten, Eckknäufe und Löwenköpfen mit Ringen im Maul), aus denen das Rahmengerüst und die Füllungen geformt sind. Sie wurden mit bronzenen Schraubnägeln auf Türblätter aus Holz befestigt.
Die Gliederung ist streng: Die beiden mittleren Türflügel gliedern sich jeweils in 16, die beiden seitlichen in jeweils 24 schmucklose quadratische Felder auf, die von abwechslungsreich gestalteten Rahmenleisten und Abdeckrosetten eingefasst werden. Lediglich die oberste Reihe der Füllungen zeigt flache durchbrochene Ornamentrosetten. Den unteren Abschluss bilden breite Sockelbleche. Zentral auf den mittleren Türblättern sind zwei Löwenkopf-Türzieher angeordnet.


Detail des Portals von San Zeno, Verona

Türklopfer des Portals von San Zeno

Südportal der Kathedrale Santa Maria Assunta, Tróia

Detail des Westportals von Santa Maria Assunta

Türklopfer des Westportals

Westportal der Sophienkathedrale, Novgorod

„Wolfstür“ an der Pfalzkapelle Karls des Großen,
Aachen

Mittelalterliche Vorbilder

„Bronzetüren waren im Mittelalter von hohem Wert und darum ein außergewöhnlicher Bestandteil der Bauausstattung, auf Kirchen beschränkt. Dass sie selten waren, geht aus der geringen Zahl der erhaltenen und auch schriftlich überlieferten Exemplare hervor … Dass späteren Zeiten der Wert dieser Gusswerke bewusst blieb, davon zeugt der bis in unsere Zeit erhaltene Bestand.“ (Ursula Mende)
Der für das Mittelalter wichtigste Typ der Bronzetür ist die vielfach untergliederte und reliefierte Bilderwand: in Deutschland die Bernwardstür im Hildesheimer Dom (1015) und die Augsburger Domtür (1065), in Italien unter anderem die Tür von San Zeno in Verona (um 1100) und die beiden Türen des Oderisius von Benevent in Tróia in Apulien (1119 und 1127), in Polen die Domtür des hl. Adalbert in Gnesen (um 1175), schließlich in Russland die aus einer Magdeburger Giesserwerkstatt stammende Tür der Sophienkathedrale in Novgorod (nach 1150).
Daneben stehen die in antiker Tradition gestalteten bilderlosen Türen mit einem graphischen Gliederungssystem von flachem Rahmen und schlichten Kassetten, die lediglich mit Löwenkopf-Türziehern einen Schmuck besitzen: so die karolingische „Wolfstür“ an der Aachener Pfalzkapelle Karls des Großen (um 800) und die Tür des Erzbischofs Willegis am Mainzer Dom (um 1000).

Wesentliche Impulse

Am Kölner Dom hatte der 1897 durchgeführte Wettbewerb für die Gestaltung der Westportale angesichts ihrer herausgehobenen Bedeutung zu originellen Lösungen voller Einfallsreichtum geführt. Anders Mohrmann arbeitet stilistisch stärker auf das Mittelalter fixiert: Für ihn boten die eindrucksvollen mittelalterlichen Bronzetüren breite Anregung.Mohrmann, der stilistisch stärker auf das Mittelalter fixiert arbeitete: Für ihn boten die eindrucksvollen mittelalterlichen Bronzetüren breite Anregung. Dabei orientiert sich sein Entwurf der weitgehend schmucklosen Flächen wohl vor allem an den antiken Vorbildern folgenden Portalen (Aachen, Mainz), in der Kleinteiligkeit der Felderung eher an den byzantinisch beeinflussten Bronzetüren in Tróia. Wie jene sind die Türen der Bethlehemkirche aus vielen Teilstücken auf einer Holzrückwand zusammengesetzt und in viele kleine Felder unterteilt. Die Rahmen zeigen dagegen eher Beziehungen zum Portal in Novgorod, stärker noch zu dem in Verona, wo sie vergleichbar halbrund und durchbrochen geformt in abwechslungsreicher Ornamentik gestaltet sind.


Bethlehemkirche: Sockelleiste der rechten Tür

Linke Tür: Patina

Rostige Nägel an der linken Tür

Farbschaden an der rechten Tür

Schäden durch Umwelteinflüsse

Schon erste fotografische Aufnahmen bald nach der Fertigstellung der Bronzetüren belegen ein merkwürdig ungleichmäßiges Oberflächenbild, das möglicherweise auf den Einfluss einer starken Luftverunreinigung in der seinerzeit durch Schwerindustrie geprägten Stadt Linden zurückzuführen sein könnte. Sie lassen keine Mutmaßungen über das ursprüngliche Oberflächenbild der Bronzeflächen zu.
1943 wurde das Portal bei der Bombardierung Hannovers verbogen und so beschädigt, dass der Bronzebeschlag abgenommen, instandgesetzt und wohl erst nach 1955 wieder auf den Holträgern befestigt wurde. Diese Maßnahmen erklären die verschiedenen Veränderungen und Überarbeitungen, die aktuell zu beobachten sind.
In einer Schadenskartierung hat die Metallrestauratorin Vera Fendel den aktuellen Zustand dokumentiert: unterschiedlich starke Flächenkorrosion mit partiellen Sinterauflagen, rostende bzw. fehlende Eisennieten aus einer jüngeren Restaurierung, Risse in den Anschlagleisten, fehlende bzw. vertauschte Einzelteile der Bronzebeschläge, insgesamt ein ungepflegter Zustand.

Restaurierung der Bronzetüren

In einem ersten Arbeitsabschnitt wurde 2017 das mittlere Portal restauratorisch behandelt. Die beiden Türflügel wurden in die Werkstatt transportiert, dort mit Druckluft und Staubsauger sowie mit Mikrodampfgerät und Neutralseife feucht gereinigt. Die einzelnen Teile wurden markiert, nummeriert und in einer festgelegten Systematik kartiert, dabei dem ursprünglichen Bestand bzw. der Nachkriegszeit zugeordnet. Abschnittweise erfolgte eine Demontage des Beschlagwerkes. Dabei wurden die Nieten gelöst und die Bronzeteile, soweit möglich, vom Holzträger abgenommen. Der ersten Reinigung folgte eine vorsichtige mechanische Freilegung von Vorder- und Rückseite mittels Edelkorundschleifkörpern, rotierenden Bürstchen und Reinigungspads. An stark korrodierten Partien wurde eine Reduzierung mit dem Ultraschallmeißel durchgeführt, die Abnahme von Farbschmierereien erfolgte chemisch. Anschließend wurden die Bronzeoberflächen mit destilliertem Wasser neutralisiert. Fehlende Teile (Türringe, Bronzeschraubnägel, Trittbleche) mussten neu angefertigt bzw. nachgegossen und anschließend farblich angeglichen werden. Abschließend wurde eine Konservierung der Bronzeoberflächen mit Benzotriazol sowie thermisch mit mikrokristallinem Wachs durchgeführt. Auch die aus der Zeit nach 1945 stammenden Holzträger wurden gereinigt und repariert. Sie wurden konservatorisch behandelt und farblich überarbeitet. Anschließend konnte das Beschlagwerk wieder montiert werden. Der Rücktransport und Einbau erfolgte Anfang Oktober 2017. In diesem Zusammenhang wurden die beiden Seitentüren ausgebaut und in die Restaurierungswerkstatt überführt. Dort werden sie 2018, ebenfalls mit Fördermitteln der Wenger-Stiftug für Denkmalpflege, restauriert.

Dr. Peter Königfeld